Das Klebebuch
Das Arolser Schloß bietet mit der fürstlichen Hofbibliothek eine weit über die Grenzen Waldecks bekannte Schatzkammer der Buchkunst und Literatur. Seit vielen Jahren kümmern sich die ‚Freunde der Hofbibliothek’ um die wertvollen Buchbestände. Ziel ist es, die unersetzbaren Schätze einerseits vor dem Verfall zu bewahren und sie andererseits einer interessierten Öffentlichkeit auch und gerade im heimatlichen Fürstentum zugänglich zu machen. Wie schwierig beides ist, kam im Jahresrückblick Fürst Waldecks, dem Vorsitzenden der ‚Gesellschaft der Freunde der Hofbibliothek’, deutlich zum Ausdruck.
So steht es im Jahresbericht 2002 noch beschrieben. Leider endet die ganze Seite mit einem Jahresbericht aus 2003 und wurde nicht weiter geführt. Ich habe im Internet nichts weiter gefunden.
1 Tag nach unserem Besuch im Arolsener Schloss versuchten wir telefonisch mit der Bücherei Kontakt aufzunehmen. Wegen Feiertag (Ostermontag) war das Ganze natürlich nicht zu bewerkstelligen, also fuhren wir am Dienstag nach Ostern gleich wieder nach Arolsen, da ich gerne diese Bücherei ansehen wollte. Ich war schon immer ein Büchernarr, habe auch eine kleine Sammlung und bin immer interessiert an Buchbeschreibungen, alten Exemplaren usw.
Uwe weiss dass und so hat er mich letztendlich überredet, noch einmal nach Arolsen in die Bücherei zu fahren.
In Leipzig durfte ich in der Bibliothek einen alten Religionskalender durchforsten, was ich aber leider wegen der Kürze meiner Besuchszeit abbrechen musste. Doch dieser Religionskalender hat mich damals auch sehr begeistert.
Wir fuhren also nach Arolsen, erschienen pünktlich um 10.00 Uhr beim Eingang der Bibliothek und wurden von einer Dame freundlich empfangen. Sie half mir (Rollstuhlfahrerin) in das Gebäude führte uns zum Eingang der Bibliothek und „übergab“ mich ihrem Kollegen, da sie selbst anderweitig zu tun hatte. Dieser Herr war sehr freundlich und überschüttete uns mit Informationen. Wir hatten ein anregendes Gespräch in welchem er mir einige interessante Auskünfte über die Bibliothek gab.
Der Raum in welchem wir empfangen wurde war für mich das „non-plus-ultra“. Bücher vom Boden bis zur Decke, fahrbare Leiter selbstverständlich, denn man muss ja auch an die oberen Regale heran kommen. Alte Folianten grosse dicke alte Bücher die unten am Boden standen, – der Traum einer jeden Leseratte. Ich wusste nur, dass diese Bibliothek ca 80.000 Bücher beherbergt, aber dieser – für mich – grosse Reichtum erschloss sich mir erst nach und nach.
Ich wurde in einen zweiten Raum gebeten, in welchem auf einem Tisch ein grosses, schweres Buch lag. Dazu wurde ich aufgefordert dieses Buch anzufassen. Meine Frage, ob ich das ohne Handschuhe darf, beantwortete mir dieser Herr folgendermassen: „Die Bücher brauchen das Fett der Hände, man muss sie anfassen. Und jetzt sagen Sie mir aus was dieses Papier gemacht ist.“ Ich öffnete das Buch, berührte das Papier, konnte nur feststellen dass dieses Papier fester war und dass es sich wie geschöpftes Papier anfühlte. Uwe meinte gleich:“Das ist aus Stoff“ und diese Aussage wurde bestätigt. Das Papier wurde aus Lumpen gemacht. Viele Lumpen. Es fühlte sich für mich ungewohnt an, denn normalerweise haben meine Bücher nicht das Alter, sind mit normalem Papier bedruckt und vor allem habe ich bei meinen Büchern keine Scheu sie anzufassen.
In diesem Raum waren ebenfalls an sämtlichen Wänden Regale bis unter die hohen Decken voll mit Büchern. Serienweise die Buchrücken, als ob alle diese Kostbarkeiten von ein und der selben Druckerei bzw. dem gleichen Verlag waren. Ich sah Handschriften die mit einer Gleichmässigkeit vor meinen Augen lagen – es war die reine Wonne. Mein Onkel legte bei mir immer Wert auf eine schöne, leserliche Schrift. Als Kind musste ich viel üben, aber diese ausgeschriebene Handschrift war hervorragend gleichmässig und leicht zu lesen. Alles sehr deutlich und klar, nichts schiefes, nichts unleserliches. Jeder Buchstabe der eine wie der andere keine Tintenklekse, nichts durchgestrichen oder ausgebessert.
Wir unterhielten uns über die Familie und wir erfuhren dass der alte Graf in jungen Jahren durch Leichtsinn einen Unfall hatte, der ihn körperlich sehr einschränkt, aber im Geist mit seinen 91 Jahren noch so klar ist, dass er bis heute die Geschäfte wahrnimmt. Und die Aufgabe des Herrn der mir diese Erklärungen lieferte war, dass er den Stammbaum der Arolsener Fürsten zusammenstellen sollte. Er wäre bis jetzt bereits ins 16. Jahrhundert eingetaucht.
Durch meine Bemerkung, dass ich am vorherigen Tag versuchte den Stammbaum der Fürsten Waldeck und Pyrmont im Internet zurück zu verfolgen ergab sich ein sehr interessantes Gespräch.
Wer Zeit und Lust und Liebe für so ein langwieriges Projekt investiert kann sich mit Fug und Recht als „Büchernarr“ bezeichnen. Denn alles beginnt mit dem ersten Schritt „lesen lernen“.
Etwas ausserordentliches wurde uns noch gezeigt. Inmitten eines lateinischen Textes in einem Buch, war ein Kapitel in altdeutscher Sprache. So etwas findet man aber nur, wenn man diese Bücher lesen kann. Und ich glaube dass für das Studium dieser Bücher auch die lateinische Sprache unabdingbar ist.
Dieser nette Herr zeigte uns ein weiteres Buch in einem anderen Raum – ein Klebebuch. Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Auch in diesem Raum waren die Wände über und übervoll mir Bücherregalen und Büchern – genau wie in den vorhergehenden Räumen durch die wir kamen. Das Klebebuch wurde vor kurzem für eine stattliche Summe restauriert. Es enthielt auf der einen Seite die Beschriftung – Beschreibung was da gezeigt wurde- auf der anderen gegenüberliegenden Seite waren Bilder eingeklebt. Aber keine Fotografien sondern gestochene und gedruckte Bilder von Opernaufführungen, anderen interessanten Dingen wie Bilder aus Aufführungen usw. Und dazu jedes mal die Beschreibung. Wir suchten eine Seite in der wir sehen konnten in welcher Stadt diese Aufführung statt fand und fanden eine Seite mit der Ortsangabe Nürnberg. Die Bilder wurden erst gemalt, dann gestochen und dann gedruckt – erst dann konnten die gedruckten Bilder in dieses Buch geklebt werden. Für jedes Bild so einen grossen Aufwand treiben ist enorm! Der sehr höfliche und engagierte Herr hatte keine Probleme die Seiten schnell und unvorsichtig umzublättern. Die Seiten flogen nur so für meine Begriffe und ich versuchte diese Kostbarkeit vorsichtig zu handhaben.
Zum Schluss wurde mir ein kleines Büchlein gezeigt, der Einband war gestickt – mit so kleinen Stichen gestickt, dass ich automatisch erst einmal innen zu der Befestigung sah ob hier alles auch ganz fest verklebt war. Die Stickerei war so alt, das Buch ca 500 Jahre alt.
Wie glücklich muss Jemand sein, der hier arbeiten darf. Der hier lesen und forschen kann. Das ist ein Schatz der sich hier vor meinen Augen auftat der unbeschreiblich ist.
Uwe konnte sich das nicht erklären dass mich dieses „wenige“ so zufrieden machte. Er dachte, ich sollte dort doch lesen können, aber die Informationen die mir hier gegeben wurden waren so reichhaltig, dass ich alles erst einmal „sacken“ lassen musste.
Ich fragte auch nach dem Dieb der es fertig brachte hier so eine Menge Bücher einfach verschwinden zu lassen und erfuhr, dass dieser „Dieb“ der ehemalige Leiter dieser Bücherei hier war. Dass dieser Dieb staatlicher Beamter war und nicht so viel Strafe erhielt, dass er aus dem Staatsdienst entfernt wurde. Er bekommt seine volle Pension und das finde ich ungerecht. Wer so einen Diebstahl begeht sollte m.E. sehr hart bestraft werden, denn er macht sich an unersetzlichen Werten, die der Allgemeinheit zur Verfügung stehen sollen, ja auch strafbar.
So eine Bücherei zu besichtigen, Bücher anfassen zu dürfen, das ist eine Erfahrung die man mir nie mehr nehmen kann.
das Klebebuch
Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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