Dresdner Schloss

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Registriert: Mittwoch 14. Januar 2004, 15:04
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Dresdner Schloss

Beitrag von Johanna »

Das Dresdner Schloß und seine Schätze

Am nächsten Tag wollten wir noch einmal in die Schlossanlage, weil wir während unseres ersten Dresdenaufenthaltes nicht alles anschauen konnten. Es sind in Dresden einfach zu viele Kostbarkeiten angehäuft und man benötigt Zeit und Muße um alles geniessen zu können.

Im Schloss ist nicht nur das grüne Gewölbe, sondern auch das Münzkabinett, Paraderäume, Kupferstichkabinett, Türkische Kammer, Rüstkammer, Silberwaffensaal und der Saal der Kunststücke sowie einige andere Unterbezeichnungen wie Saal der Pretiosen usw.

Wir nahmen uns vor, den ganzen Tag im Schloss zu verbringen, denn am Abend hatten wir noch mit unserem Bekannten ein „Date“. Er war beim Aufbau der Frauenkirche dabei, konnte uns einiges über die Geschichte erzählen und zeigen und ausserdem sind er und seine Frau Sylvia geprüfte Fremdenführer für die Frauenkirche in Dresden. Es sollte ein wirklich langer und anstrengender Tag werden.
Doch zurück zum Schloss und erst einmal etwas zur Geschichte:
Das Schloss einst nahezu von Sümpfen und Gräben inselgleich umgeben war ein Prestigebau mittelalterlicher römisch-deutscher Kaiserträume. Schloss und Brücke über die Elbe sind sehr eng miteinander verbunden. Früher war der Fluss für die Kaufleute nahezu unüberwindbar wenn gewaltige Wassermassen zu Tal strömten. Mitte des 12. Jahrhunderts siedelten sich fränkische Kaufleute an, unmittelbar daneben die slawischen Kollegen, denn dort trafen sich die Handelswege aus Prag und Nürnberg.
Im 14. Jahrhundert entstand unter dem Markgrafen Wilhelm dem Einäugigen die Markgrafenburg – unmittelbar daneben der Hausmannsturm mit einer Türmerwohnung. Bis 1480 wuchs die Burg aus dem 13. Jahrhundert um eine Kapelle, sowie eine Erweiterung für den Fürsten. Geschosse wurden auf die vorhandene Burg gebaut ein Küchentrakt kam dazu sowie ein grosser Tanzsaal im zweiten Obergeschoß. 1485 nahm Albrecht der Beherzte dauerhaft Residenz in Dresden. Von seinen drei Söhnen kümmerten sich die beiden jüngeren um das Schloss. Es wurden umfangreiche Umbauten und Erweiterungen vorgenommen.

Es ist also nicht nur August der Starke der das Schloss zu so einem prächtigen Gebäudekomplex umbauen liess oder der unheimlich viele Schätze sammelte, auch seine Vorfahren und auch sein Nachfolger taten dies, allerdings nicht in dieser ausgesprochen umfangreichen Art und Weise.

Zuerst nahmen wir uns den Saal der Kunststücke mit dem Mikrokabinett vor. Und hier gleich das ganz besondere, was mir ins Auge sprang;: Ein Segelschiff – getragen von Neptun – alles aus Elfenbein geschnitzt. Ein wunderbares Stück. Die Segel so fein herausgeschliffen als ob sie aus dünnem Stoff wären, die Leiterseile zum aufentern mit den winzigen Menschen/Matrosen – eine Meisterleistung der Schnitzkunst. Auf den Segeln waren die etwas erhabenen Menschenabbildungen zu sehen wenn man genau alles betrachtete. Die Befestigungen der Seile – wie ein grosser Handelssegler zu dieser Zeit ausgesehen haben muss, Kanonenenden die aus dem Schiffsrumpf herausschauten, die Ankerkette und auch oben das Krähennest von welchem aus die Matrosen Ausschau nach Land hielten, alles in feinster zierlichster Arbeit. Neptun, der dieses Schiff mühelos mit seinen Händen, seinem Kopf und dem oberen breiten Ende seines Dreizacks in der Waagerechten hält und trägt. Ein Drachenkopf der als Basis unter diesem Stück hervorschaut. Man kann sich nicht satt sehen an dieser Vielfalt.

Doch es gibt ausser diesem Schiff auch andere Kostbarkeiten aus Elfenbein, eine Kugel die auf dem Rücken eines Mannes getragen wird. Oben sitzt ein junger Mann auf einem Totenschädel. Das verweist auf die Vergänglichkeit des Lebens. Diese Kugel entstand kurz nach dem Tod Christians II. Von Sachsen An ihn und seine Gemahlin erinnern die Porträts die man durch die beiden grossen Löcher in der Kugel sehen kann. Der Knabe auf der Kugel hat etwas ähnliches wie eine Flöte am Mund. In der linken Hand hält er auf seiner Hüfte einen Teller mit einer Blume – andere äusserst fein geschnitzte Elfenbeinfiguren, Frauen und Kinder, Der Raub der Sabinerin, Kleopatra mit der Schlange. Ein Bierkrug über und über mit Elfenbeinfiguren verziert. Auf dem Deckel ringsherum kleine Engelfiguren, ringsherum um den Bierhumpen sind Pferde und Kämpfende mit Waffen zu sehen.
In einer Vitrine stehen sehr viele kleine geschnitzte Elfenbeinfiguren von Menschen, ein Mann sitzt z.B. in einem Lehnsessel , gekleidet ist er mit einem Mantel und in der Hand hält er eine blaue Kugel. Ein anderer sitzt auf einem Stuhl und arbeitet an einem Stück – hier sind die verschiedenen Handwerker abgebildet. Eine andere Vitrine zeigt Menschen mit verwachsenen Körpern, die aus monströsen Perlen bestehen.
Die sogenannten Perlfiguren sind wesentlicher Bestandteil spätbarocker Schatzkunst. Das Grüne Gewölbe verfügt mit über 57 Stücken über den weltweit grössten Bestand dieser Pretiosen die auch an vielen Fürstenhöfen um ca 1700 gesammelt wurden.

Ein Schachspiel aus Elfenbein – die geschnitzten Figuren wunderschön anzusehen. Die Türme sind Elefanten die Pferde natürlich Reiter auf Pferden – die Bauern tragen Waffen in ihren Händen. Hier stehen sich auf diesem Schachbrett römische und karthagische Soldaten mit Pferden und Elefanten gegenüber.
Der Erwerb dieses wunderbaren Schachspieles erfolgt durch die Ernst von Siemens Kunststiftung.

In den Ecken des Saales waren kleine Kabinette eingerichtet – einmal das Emaillekabinett und einmal das Mikrokabinett.
Im Emaillekabinett konnte man Dosen und Dosendeckel mit christlichen Motiven bewundern.

Emaille-Notizbücher zeigen Allegorien und die Geschichte von Venus und Adonis. Dies ist mit einem Blumenmuster aus dem 17. Jahrhundert verziert.
Die stark farbigen Emaillemedaillons entstanden wohl in Genf und in Dresden -. eines nach einem Porträt der Mutter Rembrands.

Im zweiten Mikrokabinett war nur in der Mitte eine Vitrine mit eingearbeiteter Lupe – davor stand – für kleine Leute so wie mich – ein kleiner Schemel auf den man sich stellen konnte um durch die Lupe Kirschkerne zu betrachten. Diese Kirschkerne waren mit Unmengen von Gesichtern und Wappen beschnitzt. Auf einem Kirschkern sollen mehr wie 145 Gesichter zu sehen gewesen sein, ich habe nicht so viele erkannt oder gesehen, aber meine Augen sind nicht besonders gut. Insgesamt gab es 4 Kirschkerne zu sehen.

Eine ganz besondere Augenweide war der Thron des Großmoguls Aureng-Zeb. Zum enormen Preis von 60.000 Talern erwarb August der Starke 1709 dieses Meisterwerk barocker Juwelierskunst. Es zeigt Aureng-Zeb den legendären Herrscher über den indischen Kontinent , dem die Fürsten kostbare Präsente überbringen . Der Großmogul verkörperte den Traum von absoluter Macht. Diese Pracht- und Machtentfaltung wird in diesem Gebilde sehr deutlich gezeigt – dieser unermessliche Reichtum der hier sichtbar gemacht wird.

Daneben ausgestellte Schalen aus grüner hauchdünner Jade – Jade hat in vielen ostasiatischen Kulturen eine tief verwurzelte Bedeutung und wird ähnlich hoch gehandelt wie Diamanten und andere Edelsteine in Europa. Der Wert von Jade bemisst sich nicht allein durch Alter, Größe oder Qualität ihrer Verarbeitung sondern auch an Materialeigenschaften wie Farbe, Reinheit, Transparenz Klang und Haptik.

Alle Objekte hier zu beschreiben die wir gesehen und auch fotografiert haben wäre wirklich zu viel.
Ich habe mich auf die Stücke konzentriert die ich in diesem Saal der Kostbarkeiten als aussergewöhnlich fand.
Ganz besonders hervorheben möchte ich noch den grünen 41 Karat schweren Diamanten, den August der III. auf der Leipziger Messe 1741 kaufte. Schon 1726 wurde der damals noch ungeschliffene Stein seinem Vater August dem Starken angeboten. Wie jeden grossen Diamanten umgibt auch diesen ein Rätsel. Niemand weiss wie dieser grüne kostbare Diamant aus Indien in Dresden gelandet ist und wieviel er gekostet hat. Wahrscheinlich war der Preis 400.000 Taler- eine
damals unvorstellbar hohe Summe. Seine einzigartige Färbung verdankt dieser Diamant der Tatsache dass er im innern der Erde mit natürlicher Radioaktivität in Berührung gekommen ist. August III. Liess seinen neu erworbenen Hausdiamanten in einen Schmuckorden vom Goldenen Vlies einsetzen und erhielt damit einen der prächtigsten Orden seiner Zeit . 1768 liess sein Enkel
Friedrich August III-. Den Vlies-Orden durch den Juwelier zerbrechen und den Diamanten zu einer Hutagraffe umarbeiten . Noch heute existiert dieser extrem kostbare Hutschmuck – von zwei grossen Brillanten von 6,3 und 19,3 Karat sowie 411 mittelgrossen und kleineren Brillanten gebildeten Fassung.
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