Fürstliche Familie zu Waldeck und Pyrmont…..
bewohnt auch heute noch Teile des Schlosses in Bad Arolsen. Diese Residenz ist seit über 300 Jahren Stammsitz.
Auch bei diesem Fürstengeschlecht spielten die Türkenkriege eine wichtige Rolle wie wir bei einer Führung im Schloss erfahren durften.
Im 18. Jahrhundert wurde dieses Schloss erbaut – doch zuerst etwas über die Geschichte. 1131 wird das Kirchdorf Arolsen erstmals als Augustinerinnenkloster erwähnt. Von 1526 bis 1530 wurde es von Graf Phillip III von Waldeck -Eisenberg aufgeboben und anschliessend von ihm zum Schloss umgebaut.
Versailles war bei fast allen Schlössern Vorbild – die Prachtentfaltung – Kerzenbeleuchtung – Statuen und Bilder, in keinem Schloss haben wir anderes gesehen – Brandenburg/Potsdam ist ein Paradebeispiel dafür, Dresden nahm sich auch teilweise Versailles zum Vorbild und so kann man getrost auch andere Schösser aufzählen.
Nach Vollendung des Hauptbaues 1728 dauerte die Einrichtung, Ausstattung und Möblierung noch mehrere Jahrzehnte bis das Schloss endgültig seiner Nutzung übergeben wurde.
1740 wurden die Zimmer im inneren Westflügel noch barock ausgestattet, doch nach 1746 wurde das Audienzzimmer der Fürstin im zeitgemässen Rokokostil eingerichtet.
Doch zurück zur Führung – vorher konnten wir noch das Alhambrazimmer anschauen. Dieser, im arabisch-maurischen Stil eingerichtete Raum und auch das Mobiliar stammen aus dem Paulinenschlösschen in Wiesbaden. Es war ein Hochzeitsgeschenk des Herzogs von Nassau an seine Tochter Helene. Sie heiratete 1853 den Fürsten Georg Victor und wurde die Mutter der späteren Königin Emma der Niederlande und des letzten regierenden Fürsten Friedrich.
Der Kronleuchter, der in diesem Raum hängt ist handgeschmiedet aus feuerverzinkter Bronze und wiegt über 160 kg. Zwischen den Fenstern stehen kleine japanische Reisetruhen aus Sandelholz.
Im nächsten Raum waren Waffen zu sehen. In der Mitte auf einem Rondell standen Gewehre aller möglichen Formen und Arten. Auch ringsherum an den Wänden waren Waffen . Die Fürstlich Waldecksche Waffensammlung umfasst etwas 1000 Einzelteile. Der kleinere Teil der Sammlung wie auch die in der Ausstellung zu sehenden Exponate besteht aus Stücken rein kriegshandwerklicher Herkunft. Der grössere Teil – und der weit kunstgeschichtlich bedeutendere Teil – umfasst die Sammlung mit den Jagdwaffen. Bis ins 20. Jahrhundert hinein gehörten Militärwesen und Jagd zum adligen Selbstverständnis.
Nachdem Anfang des 18. Jahrhunderts die Bedrohung durch die Türken gebannt war, begann man sich in Europa verstärkt für die Kultur des Gegners zu interessieren. Es folgte eine kulturell- und kunsthistorisch interessante Zeit. Neben der Erweiterung von Speisekarten und Kaffeehäusern brachte uns das osmanische Reich nach dem Abzug seiner Heere nicht nur interessante musikalische Klänge, sondern auch viele dekorative Elemente in der Architektur.
Bis zur Revolutioin von 1848 war die Jagd mit wenigen Ausnahmen ein Privileg der Fürsten und des Adels. Theoretisch und philosophisch wurde das häufig damit begründet, dass dies eine Vorübung für das Kriegshandwerk wäre.
Oftmals wurden die Prunkwaffen als Geschenke eingesetzt und erhielten somit einen politischen Charakter, Noch heute kann man am fürstlichen Bestand der Waffenkammer die früheren Beziehungen zum Umfeld des Wiener Kaiserhofes zum kurfürstlichen pfälzischen Hof in Mannheim bzw. in Düsseldorf und zu den Herzögen von Pfalz-Zweibrücken erkennen.
Es sind Pulverhörner ausgestellt die mit Frauen- und Tierbildern verziert sind. Leda mit dem Schwan z.B.
Uniformen, ein Schrank voll mit verschiedenen Säbeln, ein anderer Schrank mit diversen Gewehren bestückt , darüber ein Bord mit Mützen, bei denen man denkt dass sie in der Kirche Verwendung finden.
Rock und Weste des Prinzen Ludwig (1752-1793) Generalmajor der Kavallerie waren ausgestellt. Der Orden des Heiligen Hubertus durchschossen, Einschuss im Rücken , Arm aufgeschnitten, Rock und Weste sind stark durchblutet.
Ausserdem waren noch Tschakos in einem Glasschrank ausgestellt. Diese Mützen welche auch die früheren Ulanen trugen.
In schmalen verglasten an der Wand aufgestellten und aufgehängten Tischen bzw. Schauhängeschränken sahen wir Orden. Jede Menge Orden und Medaillen. Medaillen für Dienstboten und Angestellte – für 25 Dienstjahre, Brosche verliehen ebenfalls für 25 treue Dienstjahre. Dazu wurden auch die Jahreszahlen angegeben. Es gab Medaille für Kunst und Wissenschaft, Verdienstkreuze im ersten Weltkrieg oder auch 1904-1908 Militärkreuze verliehen 1861 1. und 2. Klasse. Und wir konnten uns Hausorden verschiedener Herzogtümer ansehen. Vom Herzogtum Sachsen in rosa mit einer kleinen Krone und der Aufschrift Treu und Ausdauernd. Beim Königreich Sachsen war der Orden giftgrün mit der Aufschrift: Sei Eingedenk Deiner Herkunft. Beim Herzogtum Braunschweig hatte der Hausorden Heinrich des Löwen eine orangfarbene Schleife immota fides (unerschütterliche Treue)
Dann sahen wir Orden und Auszeichnungen der verschiedenen Länder und Königreiche – Kaisertum Österreich in den Farben blau und gelb, Königreich der Niederlande Hausorden von Oranien Nassau in Orange und creme, ebenfalls vom Königreich der Niederlande (Zivildienstorden vom niederländischen Löwen) in dunkrel-hell-blau und gelb. Das Großherzogtum Sachsen Weimar, das Herzogtum Sachsen, Königreich Württemberg usw.
Langspiesse oder knechtische Spiesse waren an einer Wand aufgestellt – der Schaft aus Eschenholz mit einem Spiesseisen am oberen Ende – eine wirklich lange Stange . Ich denke es erforderte einige Kraft mit dieser lange Stange auf den Feind los zu laufen und diese dann auch noch in den Feind zu stossen.
Über einer aufgebockten Kanone war ein grosses Wandbild welches dein adliges Paar mit Kindern zeigte.
Bei der Führung mussten sich die Leute schützende Filzpantoffeln über ihre Schuhe streifen, damit der kostbare Fussboden keinen Schaden nimmt. Die Deckengemälde im ersten Saal zeigten Neptun mit Dreizack, mehrere andere Götter oder Sagengestalten sowie Kämpfende Männer und Frauengestalten die ringsherum sassen. An den Wänden in den oberen Ecklen waren kostbare Stuckarbeiten , kleine Puttenfiguren Blumenranken und Blüten. Die junge Frau welche die Führung durch diese Schlossräume machte, erzählte viel aus der Geschichte des Hauses, der Generationen die hier vorher auch gelebt hatten. Und erklärte Familienzusammenhänge die man dann im niederländischen oder auch englischen Königshaus wiederfand. Ein grosser Raum war früher für das Theaterspielen gedacht, deswegen lagen und hingen in einem abgesperrten Teil Kostüme, Kleider usw. Ein grosser wunderschöner weisser Kachelofen mit figürlichen Darstellungen war neben diesen Kleidungsstücken installiert.
In einem anderen Raum stand ein Tisch mit einer handgearbeiteten runden Decke. Dieses Stück war eine Hochzeitsgabe. Sehr viele Bilder hingen hier an den Wänden, Porträts der Ahnen und immer wieder wurden die Familie der Tischbeins genannt denn hier waren viele Maler. Über Tischbein war bereits eine Ausstellung in Kassel, die wir uns angesehen haben.
Das Wappen war in einem grossen Bild festgehalten. Der Rahmen wie ein Haus gearbeitet, der obere Rand war wie ein Dach und auch mit Blüten und Blättern verziert, die Seiten sowie der untere Rand waren schmaler aber auch aufwendig mit goldfarbenen Ranken geschmückt.
Im nächsten Raum waren mit blauem besonderen Stoff Stühle aufwendig gepolstert, die Umrandung war ebenfalls goldfarbig nur die Stuhlbeine schimmerten in einem Elfenbeinton.
Dazwischen stand ein kleiner Schreibtisch, auf dem man eine reichverzierte Rokokoähnliche Uhr platziert hatte. Eine Männerbüste belegte die rechte Seite und einige Bücher waren auch dekorativ ausgelegt. Über diesem Ensemble war ein riesiges Wandbild, welches einen Reiter auf einem Schimmel zeigte.
Es gab einen Sekretär, der auch einige Geheimfächer aufwies. Hier waren die Stühle allerdings anders – nicht zierlich abgerundet sondern eckig und der Eindruck von nur männlichen Benutzern herrschte vor.
Zwei Räume weiter stand eine blau bezogene Chaiselongue die allerdings am Kopfende auch zwei seitliche Armstützen hatte. Dies war der Raum einer späteren Königin. Ein blaues Sitzbadebecken stand auf der anderen Seite des Raumes.
Ein Raum war das ehemalige Ankleidezimmer und wurde später dann als Spielzeugzimmer für die Nachkömmlinge umfunktioniert. Hier lagen nicht nur Spielesammlung und Bilderbücher sondern auch Holztiere, Eisenbahn in Holz , kleine Autos, ein Pferd auf Rollen, der Struwwelpeter und anderes. Im letzten Saal sahen wir eine formvollendet ged3eckte Speisetafel dekoriert mit Blumenarangements und Kerzen. Kristallgläser, Suppenterrinen, Teller, Besteck – alles sah aus als würde man auf das Auftragen der Speisen und Getränke warten . An der grossen hinteren Wand war ein Bild welches Kriegshandlungen zeigte.
Zum Schluss wurde ich von Uwe durch einen teil der privaten Zugänge bis zum Aufzug geschoben.
Und im Erdgeschoss gab man uns dann den Hinweis, dass es auch noch eine Bibliothek sowie eine Brehmsche Bibliothek gab und ich durfte mir die Telefonnummern dieser Abteilungen abfotografieren, denn am heutigen Tag waren diese Bibliotheken leider geschlossen.
Schloss Bad Arolsen
Re: Schloss Bad Arolsen
Diese gräfliche Hofbibliothek umfasst ca 80.000 Bücher und ich habe gelesen, dass es einem Mann gelungen war eine Menge Bücher (ca 84 Stück) zu entwenden.
Diese beiden Bibliotheken werden wir auf jeden Fall noch einmal besuchen.
Diese beiden Bibliotheken werden wir auf jeden Fall noch einmal besuchen.
